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Gastrezension | An Absolutely Remarkable Thing

Als April May eines Nachts nach der Arbeit auf dem Weg nach Hause ist, entdeckt sie plötzlich eine riesengroße Skulptur mitten in New York. Von ihrem Aussehen und dem dahinter steckenden Handwerk begeistert, überredet sie ihren besten Freund Andy dazu, ein Video mit diesem scheinbaren Kunstwerk zu machen, das sie Carl nennt. Was April zu diesem Zeitpunkt noch nicht ahnt: Carl steht nicht nur in New York sondern auch in Peking, Buenos Aires und anderen Metropolen der Welt. Ihr Video wird zum viralen Hit und ihr Leben ändert sich schlagartig. Plötzlich kennt sie jeder in ganz Amerika. Während sie lernen muss, mit ihrer neuen Bekanntheit umzugehen, will sie gleichzeitig das Rätsel um die Carls lösen. Was sind sie und was wollen sie von uns?

Hank Green ist der Bruder von John Green, dessen Bücher ich schon immer sehr mochte, und zusammen betreiben sie den YouTube-Kanal „Vlogbrothers“, den ich nun seit ein paar Jahren abonniert habe. Umso mehr freute es mich natürlich, als Hank zu Beginn des Jahres ankündigte, dass sein Buch erscheinen würde. Die Vorfreude war groß und was soll ich sagen, ich wurde nicht enttäuscht. Mit „An Absolutely Remarkable Thing“ ist ihm ein wirklich packender und intelligenter Debütroman gelungen, der tiefgründig ist und gleichzeitig spannend.

April May, die ein eher unscheinbares Leben führt, wird über Nacht plötzlich zum Internetstar und sieht sich mit vollkommen neuen Herausforderungen konfrontiert. Sie wird von Fernsehsendern zu Interviews eingeladen, braucht einen Anwalt und einen Agenten, die ihr helfen sollen, ihr neues Leben zu navigieren. Menschen, die sie nicht einmal kennt, wollen plötzlich via Twitter und Instagram möglichst viel über ihren Alltag lernen und ihre Meinung hören. Gleichzeitig hat der Ruhm auch Auswirkungen auf ihre Beziehungen, besonders zu ihrer Freundin/Mitbewohnerin, von der sie sich zusehends entfernt. Ähnlich wie bei „The Circle“ von Dave Eggers wird man als Leser dazu angeregt, etwas kritischer über Social Media und dessen Notwendigkeit nachzudenken, was mir wirklich sehr gut gefallen hat.

Viel spannender ist allerdings das Mysterium der Carls. Während ihr Leben durch die Aufmerksamkeit auf den Kopf gestellt wird, versucht April May herauszufinden, was es mit diesen riesigen Skulpturen auf sich hat. Schnell wird klar, dass es sich bei den Carls nicht um ein exzentrisches Kunstprojekt handelt, sondern viel mehr dahinter steckt, denn das Material, aus dem sie bestehen, stammt nicht von dieser Welt. Als das publik wird, entstehen schnell zwei Lager: diejenigen, die daran glauben, dass die Carls in friedlicher Absicht kommen, und diejenigen, die Angst vor dem Ende der Menschheit haben. April May wird schnell zur Verteidigerin der Carls und sieht sich nun zusätzlich dem Hass der Carl-Gegner ausgesetzt.

Der Roman bietet also eine spannende Mischung an Themen, was es wirklich schwer macht, das Buch zur Seite zu legen. Ich selbst war von Anfang gefesselt von der Geschichte und dem Mysterium rund um die Carls. Wer Hank Green in seinen Videos erlebt hat, findet auch eindeutig seinen Humor zwischen den Zeilen wieder. Das einzige Manko, das man ihm vielleicht vorhalten könnte, sind die Charaktere. Während April May als Protagonistin wirklich viel Tiefe besitzt, wirken ihre Freunde im Vergleich dazu eher blass. Einzig Maya, ihre Ex-Freundin/Ex-Mitbewohnerin, zeigt wirklich starke Charakterzüge und bleibt auch nach dem Ende des Romans im Gedächtnis hängen. Miranda, Robin und Andy, die viel häufiger mit April Kontakt haben, bleiben da eher farblos und wirken nur wie Statisten. Ich könnte mir allerdings vorstellen, dass genau das beabsichtigt war, um nochmal zu verdeutlichen, wie sehr April May jetzt im Mittelpunkt steht. Auf jeden Fall ist es ein kleiner Fehler in einem sonst absolut gelungenen Roman, den ich besonders Fans von John Green und Dave Eggers‘ „The Circle“ nur ans Herz legen kann.

Eine kleine Nachbemerkung noch: Ich persönlich habe dieses Buch als Hörbuch gehört, gelesen von Kristen Sieh und Hank Green, und kann die Audiovariante nur empfehlen. Die Sprecherin liest wirklich sehr gut und hat eine angenehme Stimme, die zu Aprils Charakter sehr gut passt.

© Penguin Random House

Autor: Hank Green
Titel: An Absolutely Remarkable Thing
Preis: 16,99€ (HC) | 7,88€ (E-Book) | 26,95€ (Audio-CD)
ISBN: 978-1524744137
Verlag: Dutton (Penguin Random House)
Das Buch beim Verlag findet ihr hier: (X)

Auf Deutsch erscheint „Ein wirklich erstaunliches Ding“ von Hank Green bei dtv Bold im Februar 2019!

Hi, ich bin Linda, 24 Jahre alt und studiere wie Klaudia seit dem Wintersemester 2016/2017 Buchhandel & Verlagswirtschaft in Leipzig. Wenn ich mit der Nase nicht gerade in ein Buch vertieft bin, dann treibe ich Sport, schmuse mit meiner Katze und tippe selbst ein paar Zeilen meiner eigenen Geschichten.

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